IV. Titel sind was für Mädchen, heute bin ich Eunuch ( 22.09.2014 )

Jetzt sitz' ich wieder hier, in diesem abgefuckten Loch,

Bierflaschen und Müll stapeln sich zu Türmen hoch.

Flehe meinen verfickten Kopf an, aufzuhören zu denken,

denke, wenn ich mich erst gehen lasse, kann ich mein Schicksal selber lenken.

 

„Fuck – FUCK – FUUUUCK!“, schreit es in meinen Gehirnwindungen.

Immer wieder Gedanken und dann die Frage: „Bin ich schon betrunken?“

Doch das Bier ist leer und der Whisky auch bald.

Schon wieder Gedanken, in mir drin wird es kalt.

 

Wieder harsche Selbstkritik und zermürbende Zweifel.

Verdammte Scheiße! Ich finde keinen Strohhalm zum greifen.

Doch der nächste Tag naht. Wieder ein Tag, an dem es heißt sich zu beweisen,

auf die eigenen Ansprüche zu scheißen und sich den Arsch aufzureißen

 

für irgendwelche scheiß Ficker und natürlich für Geld,

ja, Geld, scheiß Geld! Geld regiert die Welt

und wohl auch mein gesamtes Leben,

Herrgott, ich würde einfach alles drum geben,

 

diesem scheiß Drecks-System endlich mal zu entkommen,

doch es hat mich längst in seine Obhut genommen

oder in seinen Kerker gesperrt? Man weiß es nicht.

In Tränen aufgelöst vergrabe ich mein Gesicht

 

in meinen zitternden, schmutzigen, machtlosen Händen.

Sie wirken verbraucht und als wären sie die eines Fremden.

Und da denke ich mir: Spiegeln vielleicht meine Hände wider,

was sich in mir befindet? Da sind die Gedanken schon wieder.

 

Ich könnte kotzen, könnte schreien, könnte töten vor Wut,

sehe schwarz, sehe rot, sehe Schatten und Blut.

Wieder schaltet sich der Kopf ein, er kann es einfach nicht lassen.

Ich fange an mich und meine pure Existenz zu hassen.

 

Da kommt wieder der Engel, auf meiner Schulter macht er sich breit,

sagt mir: „Zum hassen und zweifeln hast Du gar keine Zeit!

Fühle Liebe und lebe sie, das ist Dein Weg und Du weißt es!“

Doch ich will ihn nicht hören, will nur Hass und ich weiß jetzt,

 

dass ich nicht halb soviel Dreck bin, wie der auf meiner Hand,

nein, ich bin tausend mal mehr Schmutz, schlage meinen Kopf gegen die Wand.

>Wo soll das alles hinführen?< - Kopf, Scheiße, HALTS MAUL!

Was willst Du denn von mir? - >Du bist feige und faul!<


Ich bin feige? Ach, fick Dich, ich bin einfach nur schwach!

>Nein, Du weißt, Du bist träge, denk doch einfach mal nach!<

Fick Dich Hirn, fick Dich, Kopf, fick Dich, Realität!

Ich bring mich einfach um! Nein, dafür ist es zu spät.

 

Ich hatte mir selbst geschworen, nach vorne zu sehen,

immer weiter zu machen und nicht unterzugehen.

Doch was jetzt? Jetzt steh ich wieder mal an der Klippe,

Mein Kopf überfüllt und leer, ich greife zu einer Kippe.

 

Will nichts mehr hören, will nichts mehr fühlen und nichts mehr seh'n,

kann die ganze verdammte Welt und mich selbst nicht versteh'n.

Immer wieder Gedanken, sie kreisen mich ein,

treiben mich in die Enge und ich schreie „NEIN!“


Doch es hilft nichts. Auf einmal verstecken sie sich und mir kommt die Idee,

diese Gedanken bin ich, wenn ich neben mir steh'.

Warum tu ich mir das an, warum lass ich mich nicht in Ruhe?

Mein Herz ist ein Arschloch, mein Gehirn eine verdammte Hure.

 

Eine Nutte, die sich ständig anderen hingibt,

nur nicht mir, außer jetzt, wo es mir alles zu viel ist.

Nach getaner Arbeit fordert sie ihren Tribut.

Wieder seh' ich die Wand, sehe schwarz, schmecke Blut.

 

Und Du, hattest Du nicht gesagt, es würde sich alles regeln?!

Was ist jetzt, jetzt steh ich wieder alleine im Regen.

Aber ich will mich nicht beschweren, ich weiß, ich hab es sehr gut,

doch woher kommen dann die Schmerzen und die ganze Wut?


FICK DICH! HURENSOHN! Hättest Du das nicht lassen können?

Wieder kommen Gedanken auf, die sich wie Feuer in meine Selle brennen:

>War es nicht ich, der das alles so wollte?<

Na klar, FICK DICH, Hurensohn! Weiß nicht, warum ich das gewollt haben sollte!


Scheiß Kopf! Die Hand sucht nach einem Glas.

Da ist ein alter schmutziger Becher – scheiß drauf, ich brauche jetzt was.

Die Flasche Whisky leert sich, genau wie meine Seele.

Ich frage mich, warum ich mich mit der Scheiße noch rumquäle.

 

Schlechtes Gewissen danach? Zuviel Angst vor dem Ende?

Bei Gott, ich weiß nicht warum ich soviel Kraft drauf verschwende.

Ja, es wird alles gut, na klar, gut wurde es immer,

doch gut ist nicht erfüllend und das macht es noch schlimmer.

 

Was sind das für Ansprüche, ist das wieder dieser verfickte Kopf?

Ich will nicht mehr, hoffe dass der Tod bald an meine Türe klopft.

Der Alkohol macht mich müde, ich werde ruhiger und höre auf zu fragen,

Der Rebell in mir wird träge. Scheiße, wieder eine Niederlage!

 

Und mal wieder aus Trägheit, SCHEIßE! Scheiß Körper, mein Feind!

Mein Kopf lächelt erhaben und meine Seele weint.

Ich will mich wehren, will aufschreien, doch es kommt nichts heraus.

Der Kopf hat wieder gewonnen, treibt mir das Aufbegehren aus.

 

Er säuselt beruhigend, altklug auf mich ein,

doch meine Seele, sie trauert. So darf es nicht sein!

Noch mehr gehen lassen, mehr betäuben! Stirb, Verstand!

Ich blicke auf und sehe kein Blut mehr an der Wand.

 

Wieder alles nur Trug, alles Einbildung, Traum?

Und der Schmerz schnürt mich zu, zum Atmen bleibt kein Raum.

Der große altbekannte Kampf wieder: Kopf gegen Herz.

Eine Million kleine Gedanken gegen einen großen Schmerz.

 

Die Kraft schwindet . Müdigkeit. Trägheit steigt auf.

Noch 'ne Zigarette. Ich fühle, meine Seele gibt auf.

Das Nikotin zeigt kaum Wirkung, die neue Schachtel bald leer.

Ich wünschte es gäbe mich morgen einfach nicht mehr.

 

Ein Wunsch, dessen Enttäuschung schon jetzt klar erscheint,

Mein Verstand grinst überheblich, mein Herz blutet und weint.

Doch entgegen aller Wut, allem Kampf und aller Aggression

zwingt mich mein Körper in die Knie und die Hure erhält ihren Lohn.

 

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