V. Frage nach der Einsamkeit (15.12.2014)

Kürzlich hat mich eine Bekannte angeschrieben und ganz unvermittelt Fragen zum Thema Einsamkeit gestellt. "Interessantes Thema, das wohl jeden betrifft, eigentlich", dachte ich mir dann...wie denkt ihr darüber? Lasst es mich gerne wissen...also hier ihre Fragen und meine Antwort:

FRAGE:
"was ist für dich Allein sein und Einsamkeit? Je nachdem. Wenn du das Allein sein als was negatives siehst : wie gehst du damit um? verdrängst du es? Wie lenkst du dich ab? Bist du auch der Meinung dass jeder Mensch für immer mit sich allein ist oder findest du dass wenn man ne Beziehung oder so nicht mehr allein ist?

siehst du es als was positives: Viele mir liebe Philosophen beschreiben die Einsamkeit als was kostbares, wertvollen und unglaublich wichtiges. Man muss ja Einsamkeit und das Allein-sein immer differenzieren aber das lass ich jetzt mal. Man soll an der Einsamkeit wachsen. Man selbst sein. Was machst du wenn du allein bist? bist du gern allein? "

ANTWORT:
"Allein-sein bedeutet für mich einfach nur physisch allein zu sein. In erster Instanz also erst mal komplett ohne Wertung und ohne Bezug zu Einsamkeit. Einsamkeit ist schwieriger....hm, also einerseits ist Einsamkeit für mich einfach die Emotion, die sich als sozusagen Grundgefühl einstellt, wenn man zu wenig soziale Kontakte hat. Andererseits ist Einsamkeit nicht unbedingt an die Quantität der Sozialkontakte gebunden, da wir uns ja heutzutage oft am einsamsten fühlen wenn wir nicht alleine sind. Warum ist das so? Nehme an, weil wir eben wenn wir in Gesellschaft einsam sind, nur *physisch* nicht-alleine sind, emotional aber schon, weil die meisten eine Mauer um sich aufgebaut haben und man nicht wirklich das Wesen der Person mitbekommt (Schutzmechanismen, Verstellung, Anpassung, Zurückhaltung, etc.), wir also tatsächlich alleine sind obwohl jemand neben einem sitzt. Wenn wir das Wort auseinandernehmen: Ein-sam-keit, wird in "spiritueller" Richtung deutlich, dass Einsamkeit bedeutet dass wir uns als abgetrennt vom Großen Ganzen, von allen(m) anderen sehen/fühlen, eben nur "eins" sind, also jeder für sich, und uns das nicht gut tut, weil unsere Seele/Unterbewusstsein weiß, dass das nicht wahr ist, was wir da in unserer Erfahrung erleben. Weil wir eben tatsächlich nicht nur eins sind, jeder für sich, sondern weil wir alle zusammen gemeinsam "Eins" sind. Einsamkeit ist die Emotion, die uns die Erfahrung fühlen lässt, abgetrennt zu sein, nicht nach außen zu strahlen und nichts von außen zu empfangen. (Und das im Rahmen des inneren Wissens und dem Gefühl, dass dies nicht wahr und nicht unsere Natur ist, also "nicht so sein sollte"/"nicht richtig ist")

Daraus wird auch schon deutlich, dass ich Einsamkeit für was "negatives" (auch nicht unbedingt immer.....aber eben etwas unnatürliches) sehe. Alleine-sein hingegen halte ich für äußerst wichtig, sofern es nicht zu sozialer Verarmung kommt. Ich bin sehr gerne alleine, aber natürlich nur solange ich mich nicht einsam fühle. Andererseits bin ich mir dann ja auch gewahr, dass ich mich auch wenn ich nicht alleine wäre, höchstwahrscheinlich trotzdem recht einsam fühlen würde. Daher ist das Allein-sein auch wenn ich mich einsam fühle nicht der negative Punkt. (Wovon ich meinen Kopf aber hin und wieder selbst noch überzeugen muss, bzw. ihn daran erinnern, weil es ja viel einfacher ist, im Außen nach den Problemen und deren Lösung zu suchen als im Innen.) Also ich denke nicht dass wir soziale Kontakte brauchen *um nicht einsam zu sein*, ich denke wir brauchen sie aus anderen wichtigen Gründen. Bzw., wir brauchen sie vielleicht um die nicht-Einsamkeit zu erfahren also zu leben nachdem wir sie bereits in uns tragen....aber ich denke, (häufige) soziale Kontakte alleine reichen keinesfalls aus um Einsamkeit zu beseitigen, weil die sich IN uns entwickelt und was sich im Inneren entwickelt, kann nicht im Äußeren beseitigt werden.

Wie gehe ich mit Einsamkeit um...hm....naja das ist nicht gerade ein Gebiet in dem ich gut bin......ich versuche, statt die Einsamkeit zu betrauern, das Allein-Sein zu genießen. Trotz Einsamkeit. Ich mache mir bewusst, dass die Einsamkeit nur eine Emotion ist und keine Tatsache. Ich erinnere mich daran, dass ich mich unter genau den gleichen äußeren Umständen auch schon öfter nicht-einsam gefühlt habe und halte mir so vor Augen, dass ich das dann auch in jenem Moment tun kann, wenn ich mich dazu entscheide. Dann versuche ich, die Emotion Einsamkeit zuzulassen, anzunehmen und versuche mich zu öffnen für alles, was sie für mich bereit hält an Lehre, Geschenken, Chancen, Erkenntnissen, Gefühlen, Gedanken,....für alle Schätze die sie birgt. Wenn ich soweit gekommen bin geht es mir i.d.R. eigentlich schon wieder gut. Bzw. selbst wenn nicht, dann kann ich an dem Punkt zumindest das nicht-gut-gehen-Gefühl annehmen und auch in ihm die Schätze für mich sehen.

Ablenken....hm.....ich bin eigentlich bestrebt, Ablenkungen zu vermeiden.....(außer in konkreten kurzweiligen Momenten, wo es einfach tatsächlich grad gut tut, also wenn ich meinen Kopf davon losbekommen muss z.B., weil er sich verhakt hat....aber dann ist die Ablenkung nur da um ihn zu ent-haken und dann ist das Ziel wieder Annahme, Akzeptanz, Bewusstheit). WENN ich mich ablenke, dann hm.....kommt auf die Stimmung usw. an,....Alkohol, Musik hören, Gitarre spielen, Klavier spielen, Lesen, Film/Serie angucken, weggehen......je nachdem. Was ich sehr hilfreich und sinnvoll und gut-tuend finde, ist schreiben. Da hat man was zu tun, ist aktiv, beschäftigt sich mit und kümmert sich um sich selbst und muss sich nicht mal groß ablenken oder vom Thema (also der Einsamkeit in dem Fall) weg-zwingen, weil man einfach genau darüber schreiben kann...und das Schreiben darüber löst bei mir dann oft schon relativ schnell was, sodass es dann von alleine vom Thema Einsamkeit weg geht oder sich trotz dem Thema wieder gute Gefühle einstellen.

Oh, ich muss noch was zu der Definition ergänzen: Einsamkeit stellt sich, denke ich, auch dann ein, wenn wir einfach nicht bei uns selbst sind. Wir fühlen uns dann einsam weil wir uns selbst alleine lassen. (Denken aber meistens dass der Grund eben der ist dass wir physisch alleine sind) Sodass Allein-sein auch sehr der Einsamkeit entgegenwirken kann, wenn man sich dem hingibt und was draus macht...

ok weiter... >Bist du auch der Meinung dass jeder Mensch für immer mit sich allein ist oder findest du dass wenn man ne Beziehung oder so nicht mehr allein ist?<

--> zu der Frage hab ich die Antwort teilweise ja quasi schon genannt, als ich sagte dass ich nicht denke dass man für was Inneres im Außen (also in dem Fall in einer Beziehung/einem Partner) die Lösung findet. Das würde halt kurzzeitig evtl. wieder n besseres Gefühl geben, wäre aber im Grunde auch wieder nur Ablenkung, die dann auch wieder vergeht wenn man sich dran gewöhnt hat und es nicht mehr ablenkt. Außerdem halte ich es generell für ne äußerst blöde Idee, aus dem Antrieb der Einsamkeit eine Beziehung zu suchen/einzugehen.

Deinen vorletzten Absatz hab ich ja eigentlich auch schon eingangs beantwortet. Kann den Philosophen Recht geben, aber auch Deiner Aussage, dass es wichtig ist, hier zu differenzieren. Hab ich ja am Anfang gemacht.

Dazu kommt, dass ich denke, dass NICHTS von Natur aus positiv oder negativ ist. Es ist einfach was es ist, wertfrei und positiv oder negativ wird es erst wenn wir es dazu machen oder so ansehen. Es kann nützlich sein, aber wenn wir es nicht nutzen, ist es auch das nicht. Wir haben's denk ich alles in der Hand

Was ich mache wenn ich alleine bin.....naja....denke nicht dass das in Bezug auf das Thema hilfreich zu wissen wäre.....ich tu eben was ich so tue, wie jeder andere tut was er tut ^^ "


 

 

 

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